Wonach sehnt sich dein Herz?
Bei unserem kürzlich stattgefundenen Teacher-Training-Abschluss sagte eine Teilnehmerin einen Satz, der mir seither nicht mehr aus dem Kopf geht:
«Erinnere dich an den Sommer deines Lebens und daran, wie du dich damals gefühlt hast.»
Dieser Satz hat in mir eine Sehnsucht ausgelöst. Gedanken und Gefühle zur Vergänglichkeit des Lebens, die mich seither immer wieder begleiten. Und das, obwohl – oder vielleicht gerade weil – ich aktuell gedanklich fast rund um die Uhr mit unserem neuen Studio beschäftigt bin.
Im Yoga üben wir, wahrzunehmen, was in unserem Inneren vor sich geht – ohne es sofort zu bewerten oder zu verändern. Gefühle können Hinweise darauf sein, dass etwas Wesentliches in unserem Leben zu wenig Raum bekommt oder sich verändern möchte. Manchmal machen sie uns aber auch einfach auf etwas aufmerksam, das uns wichtig ist, im Moment jedoch zu kurz kommt.
Wenn ich meiner Sehnsucht nachspüre, nehme ich Lebenshunger wahr. Etwas in mir, das sich mehr Ausdruck wünscht und mich daran erinnert, wie leicht wir uns mit unseren Rollen, Aufgaben und Zielen identifizieren. Die Yoga-Philosophie lädt uns dazu ein, hinter all dem wieder wahrzunehmen, wer wir in der Tiefe sind und was uns wirklich bewegt.
Sehnsucht muss kein Zeichen dafür sein, dass in unserem Leben etwas Grundlegendes nicht stimmt. Vielleicht vermissen wir einfach das Gefühl, ganz lebendig zu sein.
Im Yoga sprechen wir von Svādhyāya – der Selbsterforschung.
Unsere Yogapraxis lädt uns ein, ehrlich wahrzunehmen, was in unserem Inneren geschieht: in unserem Körper, unserem Atem, unseren Gedanken und Gefühlen.
Das neue Studio in Witikon soll ein Raum für Bewegung und Entspannung sein. Aber auch ein Ort, an dem wir zur Ruhe kommen, uns selbst wieder bewusster wahrnehmen und nach innen lauschen können – mit der Frage:
Wonach sehnt sich dein Herz?
Das kann vieles sein: mehr Zeit in der Natur zu verbringen, neue Abenteuer zu erleben, unsere Kreativität freier auszudrücken, einer Passion mehr Zeit zu widmen, etwas Neues zu lernen, Sinnlichkeit mehr auszuleben, neue Menschen kennenzulernen, mehr Verbundenheit mit den Menschen zu erfahren, die bereits in unserem Leben sind, oder uns von Erwartungen und gesellschaftlichen Konventionen freier zu machen. Oder einfach mehr Momente, in denen wir präsent sind und uns ohne Plan und feste Erwartungen vom Leben berühren und überraschen lassen.
Vielleicht erinnert uns Sehnsucht daran, dass wir am Leben sind. Dass das Leben kostbar ist. Und vielleicht ist das einer der Gründe, weshalb wir Yoga üben: um uns selbst wieder bewusster zu spüren, wahrzunehmen, was uns bewegt, und immer wieder von Neuem Lebendigkeit in unser Leben einzuladen.